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Wie 18 Schüler, zwei Lehrer und ein Discord-Server den Äther eroberten

CQ CQ CQ – Die BS Husum funkt!

 

Wenn man in den letzten Monaten durch die Flure unserer Schule ging, konnte man gelegentlich ein geheimnisvolles „CQ CQ CQ“ hören. Keine Sorge – das ist kein neuer Jugendtrend und auch keine kryptische Geheimsprache. Es ist der internationale Anruf der Amateurfunker und gehört inzwischen ganz selbstverständlich zum Wortschatz von 18 hochmotivierten Schülern aus der Berufsschule, dem Beruflichen Gymnasium und der Berufsfachschule.

Und weil Amateurfunk nicht nur durch Wände, sondern auch problemlos über Ländergrenzen hinweg funkt, passte das Projekt perfekt zu uns als Europaschule: Technik, Kommunikation und gemeinsames Lernen verbinden – über Grenzen hinweg. Ein echtes Europaprojekt also.

Frank Christiansen (CHF) und Florian Johannes Knoll (KNF) hatten die Idee, unseren Schülern Technik nicht nur zu erklären, sondern sie erleben zu lassen – mit Knöpfen, Antennen, Funkwellen und echtem Kontakt zur Welt. Und was macht man da am besten?

Richtig: Man funkt!

Nun … eigentlich hatten wir schon vor unserer Schulkarriere den Plan, irgendwann einmal Funkamateure zu werden. Wirklich! Wir haben sogar mehrfach darüber gesprochen – rein theoretisch natürlich – und uns jedes Mal fest vorgenommen: „Nächstes Jahr starten wir – ganz sicher!“

Nur kam dann immer irgendetwas dazwischen: Projekte, Kinder, Kaffeeholen, der plötzliche Drang, unbedingt noch die Besenkammer neu zu sortieren … kurz: Wir haben’s nie so richtig angepackt.

Also wurde uns klar: Wir brauchen einen echten Hebel der Motivation. Und da dachten wir – ganz pädagogisch – an die beste Lösung überhaupt: Schüler einbinden.

Denn wenn Schüler mit uns lernen, zuschauen, nachfragen und mitfiebern, dann müssen wir dranbleiben. Schließlich wollen wir uns ja nicht blamieren.

Und genau dieser freundliche, gemeinschaftliche Druck hat uns motiviert, das Projekt endlich wirklich zu starten – und gemeinsam durchzuziehen.

An dieser Stelle möchten wir auch unsere Schulleitung lobend erwähnen, die sofort Feuer und Flamme für die Idee war und uns ohne großes Zögern Rückenwind gegeben hat.

Also stapften wir zu Beginn durch die
Klassenräume, mischten eine ordentliche Portion Enthusiasmus unter die Vorstellung des Projekts – und siehe da: 18 junge Menschen wollten den Amateurfunkschein der Klasse N* gemeinsam mit uns erwerben.

Vom „Moin“ zum „CQ“ –
So begann die Reise

Los ging es am 25. Februar 2025 mit einem Präsenztreffen, bei dem sich die bunt zusammengewürfelte Gruppe erstmals live sah. Danach folgten 21 Dienstagabende, an denen sich Schüler und Lehrer auf einem Discord-Server trafen.

Dort wurden gemeinsam die Lernvideos von 50ohm.de geschaut, Fragen diskutiert und die offiziellen Übungsaufgaben geknackt.

Der Tenor nach kurzer Zeit: „Dienstagabend? Natürlich – Funkabend!“

Aus einer Lerngruppe wurde schnell ein eingeschworenes Team.

Lehrer-Level-Up: Klasse A – heimlich!

Was die Schüler zunächst nicht wussten: Wir (CHF und KNF) haben uns circa zwei Monat vor ihnen selbst der Prüfung gestellt – aber nicht irgendeiner, sondern gleich der Klasse A des Amateurfunks.

Warum?

1. Damit die Schüler bei der gemeinsamen Prüfung nicht drei Stunden auf uns warten müssen.

2. Damit wir vorher schon einmal schauen konnten, wo man überhaupt parkt und wo der Kaffeeautomat steht.

3. Und – Hand aufs Herz – weil wir einfach selbst Bock drauf hatten.

Mit den neuen Rufzeichen DL2FC (Christiansen) und DL1KNF (Knoll) konnten wir dann direkt losfunken.

Der große Feldversuch: Mildstedt → Horstedt → Alle hören mit!

Um das Ganze praktisch zu untermauern, bestellten sich alle günstige Handfunkgeräte. Eines Dienstagabends wurden diese gemeinsam eingerichtet, auf die richtigen Frequenzen vorbereitet – und dann ging’s los:

Die erste Funkverbindung: von Mildstedt nach Horstedt, verstärkt über das Relais auf dem Stollberg!

Dank des Relais konnten auch alle Schüler zu Hause mithören. Knistern, Rauschen, so fühlt sich Technikunterricht mit Gänsehaut an.

5 Funkgeräte gewonnen – und ein Verein, der begeistert unterstützt

Zwischendurch hatten wir sogar das Glück, bei einem Wettbewerb 5 Handfunkgeräte zu gewinnen – was unsere Motivation in ungeahnte Höhen katapultierte.

In der Woche vor der Prüfung traf sich die Gruppe erneut in Präsenz. Zu Gast war der Amateurfunk-Ortsverband Husum M04, angeführt von Wolfgang Blau (DK7UY).

Er erklärte, wie es nach der Prüfung weitergeht, welche Funkabenteuer noch warten – und brachte richtig beeindruckende Technik mit.

Über die Clubstation durften die Schüler ihre ersten Funksprüche absetzen, als Trainee. Zwei weitere Funkamateure warteten auf dem Glockenberg und dem Stollberg, sodass echte Verbindungen entstanden. Die Begeisterung war sofort hörbar: Der Funke sprang buchstäblich über.

Die Prüfung – und ein Erfolg auf 145.625 MHz

Eine Woche später, am 15. Juli 2025, ging es gemeinsam nach Hamburg zur Bundesnetzagentur. Dort legten die Schüler ihre Prüfung zur Klasse N ab – komplett kostenfrei, da wir die Prüfungsgebühren durch Spenden decken konnten.

Am darauffolgenden Sonntag wurde im Rahmen des „Nord-Ostsee-Rundspruchs“ auf einem Amateurfunkband stolz der erfolgreiche Abschluss unseres Projekts verkündet.

Nebenbei schaffte es unser Schulprojekt sogar in die Fachzeitschriften „CQDL“, „Funk-
amateur“ und in die „Wochenschau“.

Nicht schlecht für ein Projekt, das auf einem Discord-Server begann.

Wie geht’s weiter?

Unser nächstes großes Ziel:

Mit der Clubstation der BS Husum die ISS anfunken!

Die Anträge werden gerade geschrieben – und es sind eine ganze Menge. Deshalb übernahm Silvia Funk (FUS) sofort eine aktive Rolle und kümmert sich direkt um die englischsprachige Kommunikation mit der NASA. Sobald wir ein Zeitfenster erhalten, wächst das Ganze zu einem schulweiten Projekt heran:

• Physik: Wie funktioniert die ISS?

• Englisch: Fragen für die Crew ausarbeiten

• Technik: Livekontakt zur Raumstation

Mehr Weltraum geht kaum.

Und weil es so schön war, planen wir, die Amateurfunk-AG in etwa 1,5 Jahren erneut anzubieten. Dann ist fast eine komplett neue Schülerschaft da – und bereit, ein bisschen nerdig zu werden. Daher auch der herzliche Aufruf an das Kollegium: Wer Interesse hat, mitzumachen und selbst eine Amateurfunklizenz erwerben möchte – oder vielleicht Schüler kennt, die neugierig auf das Thema sein könnten – darf sich sehr gern bei uns melden.

In diesem Sinne: 73 und frohe Weihnachten!

(Das heißt im Amateurfunk übrigens „Viele Grüße“ – und klingt doch deutlich cooler als „Mit freundlichen Grüßen“.)
 

Frank Christiansen & Florian Knoll

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