Ausstellung gegen das Vergessen
Wanderausstellung zum Thema „Verfolgung und Ermordung europäischer Juden 1933 bis 1945“ auf Station in der Beruflichen Schule in Husum
Sebastian Spindler berichtet über das Problem der rund 9 Millionen "Displaced Persons", die nach dem Krieg heimatlos und entwurzelt waren
Eine Ausstellung gegen das Vergessen
Noch bis zum 21. Februar können sich die Schülerinnen und Schüler der Beruflichen Schule in Husum in der Aula über das Schicksal der Juden während der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft informieren. Die Ausstellung ist chronologisch gegliedert, erhebt aber keinen Anspruch auf eine lückenlose Auflistung der Geschehnisse. Die 35 Tafeln stellen vielmehr ausgewählte Themen schlaglichtartig in sechs Kapiteln dar. Man kann an jeder Stelle anfangen zu lesen, aber auch Tafeln überspringen oder sich die Inhalte in loser Reihenfolge erarbeiten. Die Organisatoren aus dem „Haus der Wannsee-Konferenz“ wollen nicht alles bis ins Detail erklären, sondern Anstöße geben. Deshalb haben sie sich auch viel Mühe damit gegeben, den Textanteil auf den Tafeln übersichtlich und verständlich zu halten – auf Fremdwörter und Fachjargon wurde verzichtet. Sie haben sich überlegt, was vor allem junge Menschen über den Verlauf der Geschichte wissen sollten und was sie besonders interessieren könnte. Jede Tafel ist anschaulich bebildert, aber nicht nur in illustrativem Sinne, sondern Text und Foto treten oft in einen Dialog miteinander und sprechen auf diese Weise den Betrachter an.
Neben vielen anderen Klassen hat sich auch die Unterstufe der Berufsfachschule für Gesundheit und Ernährung sich die Ausstellung erarbeitet. In Gruppen haben die Schülerinnen und Schüler sich mit bestimmten Inhalten auseinandergesetzt und diese nach ausgiebiger Vorbereitung und zahlreichen gruppeninternen Diskussionen ihren Mitschülern in einem frei gehaltenen mündlichen Vortrag vorgestellt.
Die Ausstellung sorgte bei vielen Schülern, die sie besuchten, für positive Reaktionen, regte aber auch an, sich mit der Thematik der Judenverfolgung einmal intensiver zu beschäftigen. So konnte auch Denice Wille aus Husum sehr lobend von der Ausstellung berichten: „Es war sehr gut, dass wir die Ausstellung besucht haben, denn das Thema ist interessant und die Texte sind leicht verständlich“. Weiterhin empfand die 16-jährige Schülerin es als sehr hilfreich, dass jedes Kapitel sich zur besseren Orientierung durch eine eigene Farbgebung mit jeweils einem bildlichen Motiv im Hintergrund auszeichnete. Dominique Andresen (17) aus Bredstedt hingegen empfand die Gestaltung der Tafeln als zu textlastig. Sie hätte es ergiebiger gefunden, wenn ein ausgebildeter Historiker durch die Ausstellung geführt und diese dabei vorgestellt hätte. Anderen fehlten weitere Exponate, wie z. B. Vitrinen mit besonderen Gegenständen oder Ton- und Filmaufnahmen aus der Zeit.
Die positiven Anmerkungen zur Ausstellung überwogen allerdings. Sebastian Spindler (19) aus Husum fühlte sich gut informiert und lobte besonders, das die Thematik der Judenverfolgung aus vielen Sichtweisen erklärt wird, z. B. durch die Darstellung von Einzelschicksalen. Hier sticht das Schicksal der erfolgreichen Kinderbuch-Autorin Else Ury heraus, der Verfasserin der manchen bekannten „Nesthäkchen“-Serie.
Sabrina Fahs (16) aus Haselund fühlte sich durch die Ausstellung angesprochen, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, und hat sich intensiv mit der Bearbeitung ihres Themas beschäftigt. Vanessa Sanders (16) aus Husum sah in der Ausstellung eine gelungene Abwechslung zur Bearbeitung des Themas im Unterricht: „Die Arbeit mit den Plakaten war viel besser als die Aufbereitung der Judenverfolgung mit Arbeitsbögen.“
Eine gelungene Art und Weise also, den Schülern Geschichte lebendig zu präsentieren. Informationen zur Ausstellung kann man der Homepage des „Hauses der Wannsee-Konferenz“ entnehmen.
(http://www.ghwk.de/deut/Wanderausstellung/wanderausstellung.htm)
Jenny Hansen führt Christina Thomsen und Sina Böhnk in die Ausstellung ein (v.l.)
Silke Petersen erklärt Rebecca Meinecke und Miriam Zinzius die Zusammenhänge zwischen der Machtergreifung 1933 und dem Beginn der politischen Verfolgungen in Deutschland (v.r.)
Denice Wills referiert über die Reichskristallnacht, Vanessa Sanders und Sabrina Fahs hören interessiert zu (v.r.)
