Unterstützung für Auszubildende
Jugendliche Ausbildungsunterbrecher und -abrecher standen 2011 im Mittelpunkt des Netzwerktreffen „Benachteiligtenförderung“ der Beruflichen Schule. Vertreter aus Berufsschule, Behörden und regionalen Bildungsträgern informierten sich über aktuelle Zahlen der Ausbildungsabbrüche sowie Hilfen und Maßnahmen der regionalen Ausbildungsbetreuung. Durch die Veranstaltung moderierten die Lehrerinnen Elisabeth Bruns und Conny Suhr.
„Es brechen rosige Zeiten für Jugendliche an, um die wir uns vor zehn Jahren noch nicht so richtig kümmern konnten“, konstatierte Schulleiter Michael Kwauka mit Blick auf junge Menschen, die aufgrund sozialer oder gesundheitlicher Probleme benachteiligt sind. „Damit wir diese Jugendlichen in der Ausbildung halten oder in eine Ausbildung bringen können, bedarf es der Anstrengung aller hier im Netzwerk“, so Kwauka in seiner Begrüßung.
Hans-Hermann Lausen, Ausbildungsberater der Handwerkskammer Flensburg, erklärte, die Zahl der Ausbildungsabbrüche sei im Kammerbezirk Nordfriesland Süd mit rund 13 Prozent über zehn Jahre konstant geblieben. „Die Ausbildung im Handwerk hat goldenen Boden. Viele, die erst gar nicht ins Handwerk wollten, merken später, dass sie doch eine gute Wahl getroffen haben.“ Jugendliche neigten heutzutage eher dazu eine Ausbildung abzubrechen, anstatt die Konfrontation zu suchen. Deshalb ermuntere er die Jugendlichen, sich bei Problemen Unterstützung zu suchen und auch um die Ausbildung zu kämpfen.
Im Handel liegt die Zahl der Ausbildungsabbrüche bei 5,6 Prozent, berichtete Andreas Koziolek, Ausbildungsberater der IHK Flensburg. Als „positive Chance“ um „erste Füße in einen Betrieb zu setzen“ wertete Koziolek die Einstiegsqualifizierung (EQ). 60 Prozent aller Jugendlichen mit eingetragenen EQ-Verträgen gingen danach in die Ausbildung, weitere 10 Prozent verblieben als Arbeits-, Hilfs- oder Aushilfskräfte im Betrieb.
Unisono lobten die Ausbildungsberater von Handwerkskammer und IHK das kompetente Übergangsmanagement und Netzwerk mit Ausbildungsbetreuern, auf das sie in ihrer Beratungstätigkeit zurückgreifen können.
Einer von ihnen, Benjamin Thöming, Ausbildungsbetreuer der Kreishandwerkerschaft Nordfriesland-Nord informierte über Gründe für Ausbildungsabbrüche. Neben einer falschen Berufswahl, gesundheitlichen Problemen oder einer Über- und Unterforderung im Betrieb führten ein unzureichendes Persönlichkeitsrepertoire, Fehlverhalten der Azubis aber auch zwischenmenschliche Probleme wie Mobbing zum Abbruch. Thöming unterstützt die jungen Menschen bei der Suche nach einem neuen Ausbildungsverhältnis. In der Betreuung werden Probleme bearbeitet, Stärken und Schwächen thematisiert und Zielvereinbarungen getroffen. „Ein Patentrezept gibt es nicht, aber es hilft schon, wenn man die Azubis so früh wie möglich darauf hinweist, sich Hilfe zu holen“, so Thöming.
Ein Fürsprecher für die Einstiegsqualifizierung ist auch Rolf Hansen, Kreishandwerksmeister Nordfriesland Süd. Durch Praktika und EQ lernten die Jugendlichen die Abläufe, die Kollegen und den Betrieb kennen. Angesichts des Fachkräftemangels müsse sich jeder Betrieb auf die Fahne schreiben, sich mehr Zeit für den Einzelnen als Menschen zu nehmen. „Dann werden wir den ein oder anderen noch besser durch die Ausbildung und in die Arbeitswelt bringen“, ist Hansen überzeugt.
In der abschließenden Diskussion wurde insbesondere das Für und Wider der Einstiegsqualifizierung diskutiert. Kritisiert wurde auf der einen Seite, dass Betriebe die EQ nutzten, um Jugendliche als günstige Arbeitskräfte einzusetzen. Demgegenüber sahen andere Teilnehmer in der EQ eine gute Chance für Jugendliche in eine Ausbildung zu kommen.
Beate Kneißler
Bu 1:
Die Referenten: Benjamin Thöming, Hans-Hermann Lausen, Andreas Koziolek und Rolf Hansen (v.li.).
Bu 2:
Schulleiter Michael Kwauka sieht rosige Zeiten für Jugendliche ohne Ausbildung.
Bu 3:
Vertreter aus Berufsschule, Behörden und regionalen Bildungsträgern tauschten sich auf dem Netzwerktreffen aus.
